Rothenbarths Auftritte können ganz unterschiedlich
sein, je nachdem, welches Publikum und welches Umfeld ihn erwarten. Wichtigstes
Anliegen des Erzählers ist dabei die direkte Kommunikation, der enge
Kontakt mit dem Publikum, und die Sicherheit, daß die Zuhörer
sich ganz auf den Inhalt des Erzählten konzentrieren können.
Lärm, Hintergrundbeschallung, bunte Bilder
sind nicht der geeignete Hintergrund dafür.
Schule/Bibliothek
Kinder und Heranwachsende finden Erzählrunden
in der Schule oder Bibliothek am schönsten; dazu breitet Rothenbarth
seinen Teppich aus und nimmt inmitten der Zuhörer darauf Platz. Große
Säle sind dafür ungeeignet, der Raum kann gar nicht eng genug sein.
Hier findet er schnell Kontakt zu seinen Hörern und erzählt ihnen
so viele der alten und ewig neuen Märchen, wie sie hören können.
Oft liegen die Kinder am Ende der Runde flach auf dem Boden und können
sich kaum losreißen von den Märchen, die sie gerade selbst durchlebt
haben. Das gilt uneingeschränkt für Kinder aller Schulformen bis
Klasse 6, für größere Kinder und Jugendliche müssen
meist erst geeignete Rahmenbedingungen geschaffen werden. Fragen Sie nach!
im Freien
Die freie Natur ist die beste Kulisse für
erzählte Märchen. Ein Teppich wird ausgebreitet, eine Schulklasse
nimmt darauf Platz, und schon kann's losgehen. Das kann unter einem Baum
im ruhigeren Teil des Schulhofs sein, aber auch an besonderen Geländepunkten
während einer Wanderung. Die Zuhörer haben genung Details, um ihre
Augen "festmachen" zu können, und der Erzähler kann jeden Baum,
jedes Geräusch als Requisit einsetzen. (Foto: Flexible Photo Art Pößneck)
Kindergarten
Die Wirkung des erzählten Märchens
ist gerade deshalb so tief, weil die Zuhörer ihre eigenen Bilder sehen
und das Gehörte mit der eigenen Erfahrungswelt verknüpfen. Bei
kleineren Kindern (bis ca. 4 Jahre) sind noch nicht genug eigene Bilder vorhanden,
daher können sie dieses tiefe Erleben noch nicht nachvollziehen. Außerdem
fehlt ihnen noch die Abstraktionsfähigkeit, so daß sie keine Trennung
zwischen symbolischer und realer Handlung vornehmen können. Diese Kinder
erleben Märchen lieber als Situation der Geborgenheit im vertrauten Kreis:
bekannte, immer wieder gehörte "leichte" Märchen, erzählt oder
vorgelesen von vertrauten Personen. Der fremde Märchenerzähler wäre
dafür nur bedingt geeignet. Vorschulkinder dagegen sind ein geradezu
phantastisches Märchenpublikum.
Bühne
Aber auch vor großem Publikum, evtl. auch
von der Bühne herab, sind Märchen, Sagen oder Schwänke als
Programmteil geeignet. Dazu steht eigene, gute Tontechnik zur Verfügung.
Doch je größer der Rahmen ist, umso kürzer sollte der Programmteil
"Märchen" sein, da hierbei das intensive Zuhören nur über
einen kurzen Zeitraum möglich ist.
Kleine Bühne
Für märchenbegeisterte Zuhörer
ist ein ein- bis zweistündiges Abendprogramm möglich, das sich
für kleine Bühnen eignet, oft auch mit Sagen aus Thüringen
oder (bei langfristiger Voranmeldung) aus der jeweiligen Region. Besonderen
Anklang findet ein solcher Abend bei Menschen in Situationen des Umbruchs
und der Neuorientierung, z.B. Kurpatienten. Besinnlichkeit steht dabei im
Vordergrund. Besondere Tage erlauben besondere Programme, z.B. "Und hast
Du niemanden, der Dir Deine Schmerzen heile ..." - Märchen für
Verliebte am Valentinstag.
Lagerfeuer
Eher handfest geht es dagegen im kleineren,
privaten Kreis zu: dabei können Märchen, Schwänke, Geschichten
in den Verlauf eines Abends eingebaut werden, wenn die Atmosphäre dazu
paßt. Lagerfeuer, Gewölbekeller oder romantische Burganlagen sind
hier als Kulisse ideal, und evtl. kann dazu eine Gitarrenspielerin mit einem
beachtlichen Repertoire an geeigneten Liedern mitgebracht werden.
Volksfest
Bei allem Hang zur Stille kann das Zelt des
Märchenerzählers aber auch auf Volksfesten mitten im Gewühl
stehen, nur nicht in Konkurrenz zur Beschallung von der Bühne. Dann
bildet sich dort schnell eine Insel der Ruhe; die Zuhörer kommen, so
oft sie vom Trubel ausspannen wollen, und gehen, wenn sie genug gehört
haben (meist kommen sie bald wieder). Rothenbarth kommt dazu entweder im
historischen Schäferkostüm oder mit mittelalterlich inspiriertem
Talar und Barett; bewegt sich dabei in den Pausen im Publikum, um neugierig
zu machen und anzulocken. Meist bildet sich dabei ein enger Kontakt, eine
Vertrautheit mit dem Publikum, die für das tiefe Empfinden bei den großen
Zaubermärchen wichtig ist.
Weihnachtsmarkt
Beim Erfurter Weihnachtsmarkt entsteht eine
Erzählsituation wie auf mittelalterlichen oder orientalischen Märkten:
Es sind die Grimm'schen Texte, die Rothenbarth an den liebevoll gestalteten
Märchenszenen der Erfurter Künstler Reichenbach/Buchspieß
erzählt. Aber dabei wird auf das Publikum eingegangen, es gibt Bemerkungen,
Antworten, und trotz des Gedränges entsteht ein echter Dialog mit dem
Publikum. An den Wochenenden kommen schon mal mehr als tausend Besucher pro
Stunde beim Märchenerzähler vorbei, und viele kommen jedes Jahr
wieder.